17.12.10

 

Fehlende Biertradition als Vorteil.


Im Programm des Festival Mondial Biere in Quebec wird ein Vortrag von Iacopo Lenci zum Thema "Tasting Italian Beers" angekündigt. Er geht unter anderem auf den Vorteil ein, den Länder mit wenig Biertradition haben:
"I would also like talk about the freedom we have in brewing; giving as example the non-malted cereals and spices we use in our beers. We can do Belgian blanche using German malts, Italian cereals and exotic spices, just because we have no beer-culture and no school or tradition to follow or transgress, and that's one of the strong points of Italian craft beers."
Der "Bierpapst" Conrad Seidl stimmt dem in seinem Vortrag über "Small Scale Brewing" zu:
"Countries with less beer tradition seem to have an advantage: beer
drinkers in Italy, Brazil and of course the US and Canada are more open minded. They have never ...experienced beer as a drink based on tradition and have never been told that their standard beers represent any of that tradition. Especially the younger consumers are finding new beer styles offered by small breweries highly attractive, they like to experiment and local brewers are most willing to join these young consumers on their journey into taste."
Meines Erachtens hat dies aber in Regionen mit Biertraditon nicht nur etwas zu tun mit der meist fehlenden Bereitschaft zu Innovationen jenseits der Werbemittelabteilung. Die nachfolgende Generation der Braumeister ist bereits anders ausgebildet und eher zu Innovationen bereit, auch jenseits des Reinheitsgebots. Neulich hat mich sogar ein junger Brauer aus einer ganz kleinen Brauerei, in der sich seit Jahrzehnten nichts verändert hat, mit der Idee überrascht, sich einmal an einem Honigbier versuchen zu wollen. Er hatte ein solches Bier in seiner Ausbildung gebraut.

In Franken z.B. beschränken sich viele Brauereien bewußt auf den lokalen, regionalen Markt. Ihr Uniquelle Selling Proposition ist Frische. Die angegebene Mindesthaltbarkeit liegt mitunter bei nur acht Wochen und auch bewußt unter der wirklichen Mindesthaltbarkeit. Sie haben damit kaum Chancen, außerhalb ihres engen Distributionsgebiets gekauft zu werden. Im Gegenteil, einige verweigern sich bewußt dem Groß- und Einzelhandel, setzen auf Direktvertrieb, vor allem auf "Fabrikverkauf", Gaststätten und lokale Veranstaltungen wie Kirchweihen.

Werden diese Biere doch außerhalb des heimischen Absatzgebietes distribuiert, leidet die Qualität enorm. Amerikaner etwa, die solche Biere in ihren Getränkemärkten finden, "genießen" ein Produkt, das man in Franken wegschütten würde.

Biere werden in Franken weniger in Probiergläsern denn in mehr als einem Seidla getrunken. Sie sollten deshalb nicht alkoholstark sein. So bleibt der Ausweg, die Mindesthaltbarkeit durch hohe Alkoholwerte zu verlängern, verwehrt. Andererseits verschaffen sich diese frischen Biere in ihrem Heimatmarkt eine starke Marktposition. Industriebiere sehen alt aus.

Einheimischen Brauern stehen so drei alternative Wege offen:Im Vergleich dazu verspricht die häufig vorkommende Strategie vieler Brauereien wenig Erfolg: Sie weiten ihr Sortiment mit langweiligen weiteren Sorten oder gar Biermixgetränken aus, verlieren ihre Fokussierung auf die ein, zwei Biere, die bei den lokalen Gästen wirklich ankommen, können aber überregional und international mit ihren weiteren Bieren bestenfalls durchschnittlicher Qualität nicht punkten.

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