21.12.06

Fassbier forcieren?

In Bierlieferverträgen wird mitunter verlangt, den Schwerpunkt auf Faßbiere zu legen oder es wird gar eine bestimmte Quote (vielleicht 50%) vorgeschrieben. Was spricht dafür, was dagegen, Faßbier zu forcieren?
  • Brauereien sind an einem Verkauf von Faßbier interessiert, weil sie Bier in Fässern und Kegs überteuert anbieten und dem Gastronomen ein Fremdbezug dieser Gebinde erschwert wird.
  • Fässer und Kegs anderer Brauereien haben mitunter andere Anschlüsse (siehe zapfhahn.de/tips/technik2.html).
  • Im Getränkeeinzelhandel werden diese Gebinde nicht geführt.
  • Getränkefachgroßhändler sind möglicherweise nicht zu einer Lieferung bereit, weil sie an einer guten Zusammenarbeit mit der Brauerei interessiert sind.
  • Eine Befüllung der Fässer/Kegs der verpflichtenden Brauerei in einer fremden Brauerei ist zwar technisch möglich, aber als Verstoß gegen das Markenrecht strafbar.
  • All dies schränkt die Möglchkeiten ein, Biere "irgendwo" einzukaufen, was mitunter erwünscht sein kann.
  • Die Verpflichtung, Faßbier zu verkaufen, läuft auch dem gegenwärtigen Trend zu Flaschenbieren (vor allem bei Jüngeren) entgegen, der von Brauereien selbst durch neue, attraktive Flaschenformen wie Longneck oder Bügelverschlußflaschen forciert wird.
  • Zudem entstehen bei Faßbier höhere Kosten (Reinigung der Anlage, Gas, Wartung und Reparatur der Zapfanlage, Glasbruch, höhere Peronalkosten) als beim Ausschank von Flaschenbieren, besser noch bei der Abgabe in Flaschen, wenn das ein Konzept für jüngere Zielgruppen zuläßt.
  • Der generelle Rückgang des Bierkonsums und eine wachsende Bedeutung von Spezialbieren und Biermixgetränken erlaubt es zudem oft nicht, Faßbier in dem Maße umzusetzen wie es erforderlich wäre, um eine gute Bierqualität sicherzustellen (ca. 30 Hektoliter pro anno je Leitung bei einer Verwendung einer Kohlendioxid-Stickstoff-Mischung als Treibgas, siehe dazu unsere Beitrag über Schanktechnik).